
Wettbewerb
Wettbewerb Nördlich Kalkumer Schloßallee
Die städtebauliche Zielsetzung für das Gesamtgelände war die Entwicklung von Flächen für öffentliche Sport- und Erholungsnutzungen im östlichen Bereich des Plangebietes und die Schaffung neuer Schul- und Wohnbauflächen – mit dem Ziel, generationenübergreifendes Wohnen zu schaffen – im westlichen Teil.
Dabei sollte das neue Gebiet als Mehrgenerationen-Quartier mit diversen Funktionen und Einrichtungen eine eigene Identität ausstrahlen, die insbesondere den Gemeinschaftsgedanken und die gemeinsame Nutzbarkeit für alle Alters- und Nutzergruppen als Leitgedanken innehat und sich gleichzeitig in das stadträumliche Umfeld einfügt und vernetzt.
Auch sollte die Entwicklung des Plangebiets als eines der Leitprojekte des Zukunftskonzepts „RegioNetzWerk“ verfolgt werden, welches als interkommunale Kooperation zwischen den Städten Düsseldorf, Duisburg, Ratingen, Krefeld, Meerbusch und des Kreises Mettmann die Umsetzung neuer Ideen und gesellschaftlicher sowie technischer Innovationen in Quartieren anstrebt.
Zielsetzung für die Qualitätssicherung war die Umsetzung eines „Klima-Quartiers“ (klimagerecht, ökologisch angepasst, nachhaltig geplant). Das Projekt soll unter der Prämisse des Klimaschutzes und der Klimafolgeanpassung mit besonderem Augenmerk auf den Naturraum und den Siedlungsrand entwickelt werden. Dabei wird den Belangen der Landschaft und den Umweltschutzgütern besondere Aufmerksamkeit eingeräumt und ein Optimum nachhaltiger Energieversorgung angestrebt.
Intensive Öffentlichkeitsbeteiligung
Zur Einbindung der Öffentlichkeit fanden gleich mehrere, umfangreiche Beteiligungsschritte statt. Aus diesem Grund wurde für das Vorhaben eine eigene Projektwebsite (www.dialog-kalkumer-schlossallee.de) angelegt, über die sich die Öffentlichkeit aktiv in das Verfahren einbringen konnte und gleichzeitig über die Hintergründe, Zwischenergebnisse und Termine fortlaufend informiert wurde.


Im Vorfeld des Wettbewerbsverfahrens (Sommer 2021) wurde zunächst eine Vorabbeteiligung durchgeführt, bei der die Öffentlichkeit dazu eingeladen wurde, ihre Wünsche und Ideen digital und analog einzubringen. Die Verwaltung stand darüber hinaus mit einem Informationsstand am Kaiserswerther Klemensplatz für Fragen zur Verfügung. Die Ergebnisse der Vorabbeteiligung wurden dokumentiert und sind vorab in die Auslobung eingeflossen.
Am 15. November 2022 fand eine Infoveranstaltung in der Aula des Theodor-Fliedner-Gymnasiums statt. Vorab war die Verwaltung an der Haltestelle Kalkumer Schloßallee im Planungsbauwagen für Interessierte ansprechbar. Das Ziel war, im Dialog mit den Bürger*innen die im Zuge der vorlaufenden Beteiligung offenen Fragen zu beantworten und das vorgesehene Planungsverfahren zu erläutern.
Eine wichtige Aufgabe im Wettbewerbsverfahren kam den fünf Bürger*innenvertretungen zu. Diese vertraten die Anliegen der Nachbarschaft und begleiteten das Wettbewerbsverfahren sowohl in den öffentlichen als auch in den nicht öffentlichen Veranstaltungen. Mit dem Einbringen ihres ortsspezifischen Wissens und der Vertretung der Öffentlichkeit konnte das Preisgericht um eine weitere Perspektive für die Bedarfe vor Ort bereichert werden.
Verfahrensablauf
Es wurde ein zweiphasiger Wettbewerb gemäß RPW 2013 (Richtlinie für Planungswettbewerbe) mit intensiver Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt.
Insgesamt nahmen 13 Teams, jeweils bestehend aus den Fachdisziplinen Stadtplanung und Landschaftsarchitektur, in der ersten Phase teil. Das Verfahren startete mit einer Auftaktveranstaltung am 05. September 2023, in der die Rahmenbedingungen, die Aufgabenstellung, die Akteur*innen und die Ziele vorgestellt wurden.
Am 14. November 2023 hat ein Preisgericht bestehend aus Vertreter*innen der Verwaltung, Politik, externen Expert*innen und Berater*innen vier vielversprechende Ideen für die Vertiefungsphase ausgewählt. Diese wurden am 15. November 2023 in einer öffentlichen Zwischenpräsentation vorgestellt und waren im Anschluss in einer betreuten öffentlichen Ausstellung zu besichtigen.
Auf Basis der Anregungen aus der Öffentlichkeit sowie den Empfehlungen des Preisgerichts haben die Teams die Entwürfe überarbeitet. Die Ergebnisse wurden am 30. Januar 2024 in Form eines Planungsmarktes öffentlich präsentiert. Dabei konnten erneut Anregungen zu den Entwürfen abgegeben werden, die dem Preisgericht zur Verfügung gestellt wurden.
Unter dem Vorsitz von Architekt und Stadtplaner Heiner Farwick und unterstützt von fünf Bürger*innenvertretungen hat sich das Preisgericht am 31. Januar 2024 in großer Übereinstimmung für den Entwurf von Venus Architekten GmbH aus Hamburg mit Greenbox Landschaftsarchitekten aus Köln und BeL – Sozietät für Architektur aus Köln entschieden.
Ergebnis des Wettbewerbs:
1. Preis: Architekten Venus GmbH, Hamburg, mit Greenbox Landschaftsarchitekten, Köln und BeL – Sozietät für Architektur, Köln
2. Preis: Schellenberg + Bäumler Architekten GmbH, Dresden mit studio grüngrau, Düsseldorf und caspar., Köln
Es wurden zwei 3. Preise vergeben an:
Machleidt, Berlin mit Sinai Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin sowie schneider + schumacher Städtebau, Frankfurt am Main mit GTL Michael Triebswet-ter Landschaftsarchitekt, Kassel.
1. Preis:
Architekten Venus, Hamburg | GREENBOX Landschaftsarchitekten, Köln | BeL - Sozietät für Architektur, Köln


Das Konzept von Venus Architekten GmbH, Greenbox Landschaftsarchitekten und BeL – Sozietät für Architektur hat sich insbesondere mit dem Thema Landschaftsraum und Siedlungsentwicklung auseinandergesetzt und eine ganz eigene Ausprägung für die Generationenquartiere gefunden, die sich vom klassischen Städtebau unterscheiden. Den Freiraum zum zentralen Thema zu machen und die Bebauung clusterartig einzubinden, erhält das Grün bis an die heutigen Siedlungsränder und platziert die Bebauung um Quartiershöfe, die Nachbarschaften und Identifikation für das jeweilige Cluster schaffen. Die vier zunächst kritisierten Fünf-Geschosser in verschiedenen Wohnhöfen, erweisen sich neben der regelhaften zwei-, drei-, und viergeschossigen Bebauung als kleine Markanten und sinnvolle Kubaturen für vielfältige Wohnformen. Alle Gebäude haben anders, als in gängigen städtischen Quartieren, einen direkten Bezug zur Landschaft, so dass ein gleichberechtigtes Wohnen für alle entstehen kann. Diese visionäre Idee denkt Stadt und Landschaft in dem ländlichen Umfeld adäquat zusammen. Trotz der geringsten Versiegelung im Vergleich aller Entwürfe können bis zu 550 Wohnungen, kleine und große, entstehen. Die Schule und die Sportflächen werden an der Kalkumer Schloßallee entwickelt. Der Reiterhof Lindenhof kann an seinem Standort bleiben. Die Erschließung erfolgt über eine Achse von der Kalkumer Schloßallee und muss weiter ausgearbeitet werden.
Weiteres Vorgehen
Der Wettbewerb ist mit der Entscheidung des Preisgerichts vom 31. Januar 2024 abgeschlossen.
Die Entwürfe aller 13 Teams wurden vom 19. Februar bis 01. März 2024 im Technischen Rathaus ausgestellt. Zudem wurde Planzeichnungen und das Modell des 1. Platzes im Bürgerbüro Kaiserswerth vom 15. April bis 17. Mai 2024 präsentiert.
Das Preisgericht gab Empfehlungen für eine Überarbeitung der Konzeption. In der Abschlusspräsentation am 30. Januar 2024 wurden zudem aus der Öffentlichkeit verschiedene Anregungen zu dem Entwurf vorgetragen. Ebenso sind aus fachplanerischer Sicht Anpassungen erforderlich. All diese Themen werden zusammengetragen, ausgewertet, geprüft und in den Entwurf eingearbeitet.
Auf Grundlage des daraus resultierenden Masterplans werden in einem nächsten Schritt die förmlichen Bauleitplanverfahren eingeleitet, die weitere Beteiligungsmöglichkeiten der Öffentlichkeit vorsehen. Zeitgleich soll das bewährte Konzept der informellen Beteiligung parallel fortgeführt werden, so dass die Öffentlichkeit das gesamte Verfahren lang intensiv eingebunden wird.
Die Dokumentation des Wettbewerbs finden Sie im Downloadbereich.
